Forschung & Fortbildung

Verstehen!
Körper, Kindheit(en) & Corona 

Wie lässt sich die frühpädagogische Arbeit in Zeiten der Pandemie re-organisieren? Wie ist dies möglich, wenn sich aktuell weit und breit die stummen Praktiken alltäglicher Kommunikation verändern? Wenn Körper (der eigene wie die der anderen) als  "gefährdete Gefährder" (Thomas Alkemeyer) wahrgenommen werden? Welchen Einfluss haben damit verbundene Sorgen, Ängste, Zweifel und Hoffnungen auf unser Gefühlsleben (Gunter Gebauer)? Wir sammeln und verlinken auf dieser Seite (s.u.) relevante Beiträge zu diesen Themen. Unsere eigene Arbeit bestünde dann in der Auseinandersetzung mit der Frage: Wie lassen sich solche Überlegungen herunterbrechen und  für die elementarpädagogische Arbeit praktisch fruchtbar machen? Und zwar so, dass auch in schweren Zeiten schrittweise und tastend ein Weg hin zu einem Kita-Alltag gefunden werden kann, der es erlaubt, mit Kindern, ihren Familien und dem Team eine durch Zuversicht, Optimismus und Verbundenheit gekennzeichnete Perspektive zu entwickeln.

 Aktuelle DJI-Studie: "Kindsein in Zeiten von Corona".

 DJI-Studie - Pressemitteilung (Stand 12.2020): Infektionsfälle in Kindertageseinrichtungen – Stabilisierung auf hohem Niveau

 Aktuelle KiCo-Studie: Kinder, Eltern und ihre Erfahrungen während der Corona-Pandemie
(Forschungsverbund "Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit" der Universitäten Hildesheim, Frankfurt und Bielefeld)

 Sachbuchbestenliste September (Zeit, ZDF) / Oktober (WDR 5, NZZ) 2020: Die Corona-Gesellschaft. Analysen zur Lage und Perspektiven für die Zukunft, hrsg. v. Michael Volkmer & Karin Werner. transcript Verlag: Bielefeld 2020.

 

  • Wissenschaft & Forschung
    (temporär unter Bedingungen der Pandemie)

  • Temporär sammeln und verlinken wir hier in dieser außergewöhnlichen Zeit Beiträge, die – indirekt – Relevanz für unsere frühpädagogische Arbeit besitzen, auch wenn dies nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Relevanz besitzen sie deshalb, weil die in ihnen enthaltenen Selbstbeobachtungen und solche des urbanen Alltags die aktuell sich verändernden Körperroutinen in den Blick nehmen. In ähnlicher Weise dürften Veränderungen des Körperverhaltens auch die frühpädagogische Arbeit betreffen. Denn der ganz normale Kita-Alltag verfügt ja über eine ganz eigene körperliche Geschäftigkeit, die ihn prägt (siehe dazu unsere Publikationen unten), und gerade deshalb erweist dieser Kita-Alltag sich in Zeiten der Pandemie als so fragil und störanfällig. Er wird derzeit einer harten Prüfung unterzogen.
    Wir wissen dabei sehr wohl um die Existenz des aktuell kaum auszuhaltenden Drucks, der auf allen Seiten (vor allem auf den Familien, ihren Kindern, der Politik und – nicht zuletzt – auf den frühpädagogischen Frachkräften) lastet und regelrecht körperlich spürbar ist. Wir wissen aber auch: Wer sich auf dünnem Eis bewegt, ist gut beraten, sich flach auf dem Bauch liegend und eher kriechend fortzubewegen (anstatt dies unbedacht schweren Schrittes zu tun). Ja, wir lassen Vorsicht walten. Wir bewegen uns auf unsicherem Terrain. Aber wir ducken uns nicht weg! Wir fragen uns: was können wir verändern. Kleinste Schritte können große Wirkung haben. Es geht für uns also auch um die Frage, ob und wie wir als Fachkräfte unsere Körper als eine Art pädagogisch-performatives Handwerkszeug begreifen können. Nämlich als eines, das sich behutsam, achtsam und im Sinne eines "learning by doing" an die veränderten Bedingungen anpassen lässt. Zum Beispiel dadurch, dass die im eigenen Körper enthaltenen Möglichkeiten der "Fernwirkung" (per Blickverhalten, Zeigegesten, Gebrauch von Stimme und Sprache, seiner darstellerischen Fähigkeiten etc.) etwas stärker als sonst akzentuiert und zum Einsatz gebracht werden. Und dies im besten Fall so, dass es für alle Beteiligten passt, stimmig und sinnvoll ist. Augenmaß und Augenzwinkern hilft uns dabei, und vor allem das, was uns trägt und immer schon durch den Kita-Alltag getragen hat: ein ordentlicher Schuss Humor, Freude, Zuversicht und Optimismus. "S' wird gut!" lautet der Titel eines Juwels der Kinderwelt der Musik (von Dorothe Kreusch-Jacob). Drei Worte, die Kinder brauchen. Und nicht nur sie. Auch ihre Eltern. Auch ihre Familien. Und auch wir.
    Wir sind uns sicher: In der frühpädagogischen Arbeit spielt eine derart veränderte Praxis im Rahmen von Notbetreuungen vielfach schon eine große Rolle. Sie wird bereits eingeübt, durchgeführt und praktiziert. Manchmal bewusst, manchmal intuitiv. Wir hätten großes Interesse daran, davon zu hören - aus und von der Praxis für die Praxis, ohne lange Umwege über jahrelang dauernde Antragsforschung. Wir würden uns freuen, wenn all die fruchtbaren Ideen, die aktuell entwickelt bzw. gar schon praktiziert werden, über die jeweils eigene Einrichtung hinaus in Umlauf gebracht und das Licht der großen weiten Welt der Frühpädagogik erblicken würden. Wer mag, ist herzlich eingeladen, uns von seinen Erfahrungen zu berichten.
    Hier die links:

  •  "Der Körper, die Stadt und das Virus." Blogbeitrag von Prof. Dr. Thomas Alkemeyer (Universität Oldenburg) vom 20.04.2020.

  •  "Körper - Corona - Konstellationen. Die Welt als (körper-)soziologisches Reallabor." Beitrag von Thomas Alkemeyer & Bernd Bröskamp im Band  "Die Corona-Gesellschaft: Analysen zur Lage und Perspektiven für die Zukunft," hrsg. v. Michael Volkmer und Karin Werner. Bielefeldt: transcript 2020.

  •  "Im Krisenmodus? - Corona und die Emotionen". Radio-Feature mit Prof. Dr. Gunter Gebauer (Freie Universität Berlin) im WDR zur Frage: "Wie wirkt sich Corona auf Ihre Gefühlswelt aus?" am 24.04.2020. 

  •  "Herden unter Kontrolle. Körper in Corona-Zeiten." Beitrag von Gabriele Klein & Katharina Liebsch im Band "Die Corona-Gesellschaft: Analysen zur Lage und Perspektiven für die Zukunft," hrsg. v. Michael Volkmer und Karin Werner. Bielefeldt: transcript 2020.

  •  "Learning to Dance: Social Distancing und die Refiguration der Interaktionsordnung." Blogbeitrag von Prof. Dr. Hubert Knoblauch (TU Berlin) vom 06.04.2020.

  •  "Geschütztes Kulturgut? Warum auch zukünftig auf das Händeschütteln verzichtet werden kann." Ashley Mantha-Hollands und  Liav Orgad  (Wissenschaftszentrum Berlin) beschreiben die Wandelbarkeit von Begrüßungsformen in Zeiten der Pandemie im Tagesspiegel vom 12.05.2020

  •  "Auf ein Wort ... Körper": Die Soziologin Prof.´in Dr. Paula-Irene Villa Braslavsky (Ludwig-Maximilians Universität München) zu Gast bei Michel Friedmann am 28.02.2020.

  •  Warum wir unser Gesicht unbewusst täglich 400 bis 800-mal am Tag berühren, erläutert der Haptik-Forscher Prof. Dr. Martin Grunwald (Universität Leipzig).

  •  "Das Spiel des Kindes beginnt mit und konzentriert sich auf seinen Körper. Wir bezeichnen das als Spiel in der Autosphäre." Erik H. Erikson in: Kindheit und Gesellschaft. Klett-Cotta 1979, S. 215. 

  •  "Bodies as Sites of Cultural Reflecton in Early Childhood Education" von R.S. Burke & J. Duncan (2015). Diese Publikation gehört zu den wenigen, die das Innenleben von Kindertageseinrichtungen in einer dezidiert körpersoziologischen Perspektive analysieren. 

  •  "Body Ritual among the Nacirema" von Horace Miner (1956) beschreibt die seltsamen Körperrituale der Renakirema. Tatsächlich handelt es sich dabei um die Körperrituale der amerikanischen Mittelstandsgesellschaft der 1950er Jahre, was nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Dies deshalb, weil der Text ganz bewusst Verfremdungseffekte durch den Gebrauch einer ethnologisch-anthropologischen Sprache hervorruft. Man braucht jedoch nur einige Worte wie ein Anagram rückwärts zu lesen …

  •  "Les usage sociaux du corps à Bali" von Gregory Bateson - Auszug aus einem Klassiker der Ethnologie bzw. der visuellen Anthropologie ( "Balinese Character" von G. Bateson & M. Mead, 1942), zugleich aber auch (wenn neu gelesen) der Kindheits- und Körpersoziologie.

  •  "Kinder als Grenzgänger. Übergangspraktiken im Betreuungsalltag." Kamera-ethnographische Studie von Bina Elisabeth Mohn und Sabine Bollig (2016), die ganz beiläufig die körperlichen Dimensionen täglicher Übergänge aus den sozialen Welten der Familien in die Welten der Kindertageseinrichtungen erkennen lässt.

  • Publikationen
    Das Kinderland ist eine Einrichtung, die zum einen Forschungsergebnisse erziehungs- und sozialwissenschaftlicher Studien zur frühen Kindheit laufend rezipiert und zum anderen selbst Beiträge zur diesem Forschungsfeld leistet. In diesem Zusammenhang sind aktuell folgende Arbeiten erschienen:

NEU!

Bröskamp, Bernd. (2020). Warum Körper? Für eine karnale Soziologie der frühen Kindheit. In: Bollig, Sabine; Alberth, Lars; Schindler, Larissa (Hrsg.). Materialitäten der Kindheit. Körper - Dinge - Räume. Springer VS: Wiesbaden, S. 71-100.
Ein Pre-Print des Textes findet sich hier. Warum der Text in Zeiten der Pandemie besondere Relevanz besitzt,  warum Elementarpädagogik und Politik in den aktuell so ver/rückten Zeiten nahezu rat- und hilflos wirken, und warum eine forcierte Kooperation von Kindheits- und Körpersoziologie angesichts dessen so ungemein wichtig wäre, ist hier kondensiert beschrieben. Weil die Buchpublikation (Printversion) des o.a. Textes sich infolge des shutdowns bis 2021 hinauszögert, haben wir ihn in an  dieser Stelle in Form eines Pre-Prints zugänglich gemacht. 

Bröskamp, Bernd. (2015). Bildungspraktiken der frühen Kindheit. In: Thomas Alkemeyer, Herbert Kalthoff & Markus Rieger-Ladich (Hrsg.), Bildungspraxis. Körper – Räume – Objekte. Velbrück Wissenschaft: Weilerswist; S. 37-70. (Dieser Text steht nur als Printversion zur Verfügung - ein Abstract findet sich hier.) 
Zur Rezension von Wilhelm Schwendemann, socialnet.de, 13.09.2016.

Bröskamp, Bernd. (2017). Der Markt der frühkindlichen Bildung. Ein sozioanalytischer Zugang. In: Markus Rieger-Ladich & Christian Grabau (Hrsg.), Pierre Bourdieu: Pädagogische Lektüren. Springer VS: Wiesbaden, S. 15-35. (Zur Verlagsseite, "Download Probeseiten 2 PDF" anklicken.)

Bröskamp, Bernd. (2017). Kulturelle Reproduktion in der frühkindlichen Bildung. In: Anja Kraus, Jürgen Budde, Maud Hietzge & Christoph Wulf (Hrsg.), Handbuch Schweigendes Wissen. Erziehung, Bildung, Sozialisation und Lernen. Beltz Juventa: Weinheim, Basel, S. 328-341.
Zur Rezension von Friederike Lorenz, socialnet.de, 28.6.2017 

 

Zum download. Bereits 2003 ist die folgende Arbeit einer ehemaligen Team-Kollegin des Kinderlands zu Fragen des mehrsprachigen Aufwachsens erstellt worden: Schmitt, Christina. (2003). Sprachförderung in mehrsprachigen Tageseinrichtungen (Diplomarbeit. FU Berlin).

  • Inhouse Fortbildungen auf Anfrage

Darüber hinaus gibt es bei Fortbildungs-Bedarf die Möglichkeit, Kinderland-ExpertInnen zu diversen Themen anzufragen.

  • Fortbildungsangebote von Kinderland-Expert*innen für Erzieher*innen und Teams anderer Tageseinrichtungen 

Der Erwerb pädagogischer Kompetenz ist mit der staatlichen Anerkennung als Erzieher*in nicht abgeschlossen. Im Gegenteil, mit dem Eintritt in die alltägliche pädagogische Praxis beginnt der Prozess lebenslangen Lernens eigentlich erst richtig. Gefördert, gesteuert und aktuellen gesellschaftlichen Tendenzen angepasst wird dies u.a. durch berufsbegleitende Fort-, Aus- und Weiterbildungen. Einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kinderland-Teams verfügen über Experten-Kompetenz und sind dazu befähigt, Seminare und Workshops zu folgenden Themen anzubieten:

  • Grundlagen professioneller Kommunikation in Tageseinrichtungen (Gesprächsführung, Beratung, Coaching, Konfliktmanagement etc.).
  • Spracherwerb, Sprachförderung und Sprechfreude im Krippen- und Kindergartenalltag.
  • Migration, Integration, interkulturelle Kompetenz, Fremdheit und Diversität: Kindheitspädagogik in der Migrationsgesellschaft
  • Elementarpädagogik in lokalen und transnationalen sozialen Räumen: Aktuelle Trends in der interkulturellen und diversitätsorientierten Pädagogik.
  • Interkulturelle Bewegungserziehung.
  • Selbstmanagement: Praxiskurs für Erzieherinnen.
  • Teamentwicklung in lernenden Organisationen.
  • Typisch Junge!? Typisch Mädchen!? Gender-Training für ErzieherInnen und Kindergarten-Teams.

Bei Interesse nehmen Sie bitte Kontakt mit dem Kinderland auf. Wir führen Inhouse-Seminar in Ihren bzw. ggf. in von Ihnen gemieteten Tagungsräumen durch.

Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen.

Benjamin Franklin

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